Was ist Disulfiram?
Disulfiram ist ein Arzneistoff, der in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit eingesetzt wird. Er bewirkt eine starke Unverträglichkeit gegenüber Alkohol und wird deshalb auch als Alkoholaversivum bezeichnet. In der Schweiz ist das Medikament unter dem Handelsnamen Antabus bekannt und unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.
Die Wirkung beruht auf der Hemmung des Enzyms Aldehyddehydrogenase, das für den Abbau von Acetaldehyd, einem Zwischenprodukt des Alkoholstoffwechsels, verantwortlich ist. Bereits geringe Alkoholmengen führen dann zu unangenehmen körperlichen Reaktionen wie Gesichtsrötung, Übelkeit, Herzrasen oder Blutdruckabfall. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Medikament klicken Sie bitte hier drüben.
Disulfiram eignet sich vor allem für Patientinnen und Patienten, die nach einer Entzugsbehandlung eine dauerhafte Abstinenz anstreben und bereit sind, vollständig auf alkoholhaltige Produkte zu verzichten. Die Therapie muss von engmaschigen ärztlichen Kontrollen begleitet werden, da das Präparat bei unsachgemässer Anwendung gesundheitliche Risiken birgt. Vor der ersten Einnahme sollte der behandelnde Arzt die Leberfunktion überprüfen.
Standarddosierung von Disulfiram
Der Therapiebeginn erfolgt üblicherweise mit einer Aufsättigungsdosis, die über einige Tage eingenommen wird, um einen ausreichenden Wirkspiegel im Körper aufzubauen. Die Anfangsdosis beträgt meist zwischen 0.5 und 1 Gramm Disulfiram pro Tag, verteilt auf morgens und abends. Diese Phase dauert in der Regel drei bis fünf Tage.
| Dosierungsphase | Tagesdosis | Dauer |
|---|---|---|
| Anfangsdosis | 500–1000 mg | 3–5 Tage |
| Erhaltungsdosis | 125–500 mg | dauerhaft |
| Maximaldosis | nicht über 500 mg/Tag | – |
Danach wird die Erhaltungsdosis festgelegt, die sich im Bereich von 125 bis 500 Milligramm pro Tag bewegt. Diese wird abhängig vom Körpergewicht, der Verträglichkeit und dem gewünschten therapeutischen Effekt individuell eingestellt. Eine über längere Zeit gleichbleibende Einnahme soll die unangenehmen Reaktionen auf Alkohol zuverlässig aufrechterhalten.
Die maximale Erhaltungsdosis von 500 Milligramm sollte nicht überschritten werden, da sonst die Gefahr von Leberschäden und anderen Nebenwirkungen zunimmt. Bei der Dosierung ist zudem zu beachten, dass Disulfiram in Kombination mit Alkohol lebensbedrohliche Kreislaufreaktionen auslösen kann. Die genaue Dosierung legt daher stets die behandelnde Fachperson fest.
Besonderheiten bei der Einnahme
Disulfiram sollte idealerweise morgens und abends unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Die gleichzeitige Aufnahme von Nahrung kann die Verträglichkeit verbessern. Entscheidend ist, dass während der gesamten Therapie und noch mindestens zwei Wochen nach der letzten Einnahme keinerlei Alkohol konsumiert wird.
Neben offensichtlichen alkoholischen Getränken ist auch an versteckten Alkohol in Medikamenten, Hustensäften, Mundwässern, Saucen oder alkoholhaltigen Lebensmitteln zu denken. Selbst kleine Mengen können heftige Reaktionen hervorrufen, daher ist eine sorgfältige Überprüfung aller eingenommenen Produkte unerlässlich. Patientinnen und Patienten sollten im Notfall einen Ausweis mit sich führen, der auf die Disulfiram-Therapie hinweist.
Regelmässige Laborkontrollen der Leberwerte sind während der ersten Monate besonders wichtig, da Disulfiram in seltenen Fällen zu einer Leberentzündung führen kann. Vor Therapiebeginn sind zudem bestimmte Erkrankungen wie schwere Herz-Kreislauf-Störungen, Psychosen oder eine schwere Leberschädigung auszuschliessen. Die Behandlung erfordert die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt oder Ärztin und der betroffenen Person.
Alternative zu Disulfiram
Nicht jede alkoholabhängige Person spricht gleich gut auf Disulfiram an oder verträgt es. In solchen Fällen kommen weitere Medikamente in Betracht, die auf andere Weise die Abstinenz unterstützen. Acamprosat und Naltrexon sind die in der Schweiz bekanntesten Alternativen und ebenfalls rezeptpflichtig.
Acamprosat soll das durch chronischen Alkoholkonsum gestörte Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn wiederherstellen und so das Verlangen nach Alkohol reduzieren. Naltrexon hemmt die Opioidrezeptoren und dämpft die als angenehm empfundene Wirkung von Alkohol. Beide Substanzen werden nicht aversiv wirksam und erfordern eine begleitende psychosoziale Therapie.
Die Entscheidung für eine bestimmte medikamentöse Alternative liegt beim behandelnden Arzt und hängt von der individuellen Krankengeschichte, der Motivation und möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Verhaltenstherapie, Selbsthilfegruppen oder stationäre Programme sind wichtige Bausteine in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit. Letztlich führt aber kein Weg an der konsequenten Alkoholabstinenz vorbei, um langfristig gesund zu bleiben.